Aus der Geschichte der Krakower Freiwilligen Feuerwehr 

 

1874

24. August 1874. Im Saal des Krakower Schützenhauses, dem heutigen Seehotel, haben sich eine Reihe mutiger Männer versammelt. Es geht um den Schutz ihrer Stadt und ihres Eigentums. Immer wieder mussten sie erleben, dass riesige Schadensfeuer Häuser, Scheunen, ja ganze Straßen in Schutt und Asche legte. Hatte die kleine Stadt Krakow auch als erste seit dem 06. Dezember 1839 eine Stadtordnung, so reichte das nicht aus, um die immer wieder auftretenden Brandkatastrophen zu verhindern oder wirkungsvoll zu bekämpfen. Nach mehreren vorangegangenen Großbränden wurden z.B. 1856 wieder 56 Scheunen ein Opfer der Flammen. Dieses und ähnliche folgende Ereignisse bewogen schließlich die Männer 1874 dazu, dem Beispiel anderer Städte, wie Wismar, Güstrow und Bützow folgend, eine Feuerwehr zu gründen. Vierzig Männer fanden sich dazu sogleich bereit. Zielstrebig ging man daran, die junge Feuerwehr entsprechend ihren Aufgaben und Zielen nach der von einem Bürgerausschuss erarbeiteten und vom Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg bestätigten „Neuen Feuerlöschordnung“ von 1874 auszurüsten. Wenn es auch dabei erhebliche Probleme gab, so waren doch bald Handdruckspritzen, Wasserwaagen, Äxte, Schaufeln und anderes angeschafft Im Jahre 1892 gab es auch erstmalige einheitliche Uniformen.

 

 

1901

Wann die Wehr Mitglied des Mecklenburger Feuerwehrverbandes wurde, ist nicht belegt. Die Kameraden haben aber offensichtlich eine gute Feuerwehrarbeit geleistet, denn schon im Jahre 1901 wurde der XX. Verbandstag des Mecklenburgischen Feuerwehrverbandes nach Krakow gegeben. Aus diesem Anlass wurde an der Seepromenade ein Steigeturm aus Holz eingeweiht. Höhepunkt war gewiss ein von der Wehr durchgeführtes „Manöver“ mit einer für damalige Zeiten seltenen Dampfspritze, die von einer Bautzener Firma W. Busch bereitgestellt wurde. Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Krakower Wehr im Jahre 1924 fand ebenfalls der Mecklenburger Feuerwehrverbandstag in Krakow statt. Dazu konnte auch endlich die durch die Wehr solange gewünschte Ausziehleiter angeschafft werden. Möglich geworden war der Kauf durch Spendengelder der Krakower Bürger. In diese Zeit fiel auch die Gründung einer Feuerwehrkapelle. 1922 fanden sich zwölf Kameraden dazu erstmals zusammen. Die Kapelle besteht bis heute und hat mit kriegsbedingten Unterbrechungen zum Gelingen mancher Feuerwehrfeste in ganz Mecklenburg beigetragen.

 

 

1909-1914

Nicht unerwähnt dürften natürlich die Brände bleiben, die immer wieder die ganze Einsatzbereitschaft der Wehr forderten.Belegt sind eine Reihe von Bränden zwischen 1909 und 1914 durch Originalberichte. So wurden auch in den Ortsteilen und Nachbargemeinden, wie Alt Sammit, Bossow, Tessin und Charlottenthal, Großbrände bekämpft. Ende der 20er Jahre konnte auch die erste Motorspritze angeschafft werden. In Verbindung mit einem einachsigen Anhänger und einem aus Dobbin erworbenen sechssitzigen Personenwagen entstand so die erste "vollmotorisierte Feuerwehr" in Krakow.

 

1950

Auch nach dem II. Weltkrieg fanden sich rührige Kameraden wieder schnell zu einer Wehr zusammen und im Jahre 1950 war ein – aus einem alten Wehrmachtsfahrzeug entstandenes – Löschfahrzeug vorhanden. Das alte Löschfahrzeug war in den Kriegsjahren verloren gegangen. Wie notwendig eine einsatzbereite Feuerwehr war, sollte sich bald beweisen. Es kam am 07. Mai 1952 zu einem der schwärzesten Tage in der Geschichte der Krakower Feuerwehr. In dem Lager des damaligen VEB Spiritus, in dem riesige Mengen hochprozentigen Alkohols lagerten, kam es durch einen Blitzschlag zu einem furchtbaren Großbrand. Die Krakower Feuerwehrkameraden stellten sich mit den damals bescheidenen, technischen Ausrüstungen diesem ungleichen Kampf mit vorbildlicher Einsatzbereitschaft und heldenhaftem Mut. Sie gaben alles was sie geben konnten, doch fünf der besten Kameraden bezahlten diesen Kampf, bei dem es auch um das Fortbestehen der Stadt Krakow am See ging, mit ihrem Leben.

Die Kameraden Erich Kern, Paul Laß und Fritz Kowalski kamen in den Flammen um. Die Kameraden Paul Wilken und Wilhelm Wolter erlagen nach wenigen Tagen ihren schweren Brandverletzungen. Am 12. Mai 1952 wurden, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der Feuerwehrkameraden diese Kameraden in einem feierlichen Staatsbegräbnis beigesetzt. Das Leben in der Feuerwehr musste aber auch nach so einem schrecklichen Ereignis weitergehen.
Mit einem neuen Löschfahrzeug LF 8 ausgestattet, wurde 1958 ein neues Gerätehaus eingeweiht, das aber, bedingt durch die rasante Entwicklung der Feuerwehrtechnik, schon bald wieder zu klein wurde. So wurde 1975 schon wieder umgezogen, um die größeren Fahrzeuge TLF 16 und LF 16 unterbringen zu können.

 

1990

In dieser Chronologie der Ereignisse haben natürlich immer die Kameraden die wichtigste Rolle gespielt. Stellvertretend sollen hier die Wehrführer genannt werden, wenn es auch aus der Gründerzeit und bis zur Jahrhundertwende erhebliche Lücken in der Überlieferung gibt. Es wurden in verschiedenen Dokumenten immer wieder Namen der Kameraden Ramm, Donner, Dauck und Ahrend genannt. Ab etwa 1904 bis 1920 leitete Kamerad Albrecht Westphal die Wehr. Zum 50-jährigen Jubiläum 1924 zeichnete Kamerad Max Loeck als Wehrführer für das Festkomitee. Danach war bis zu seiner Amtsabgabe 1933 Kamerad Ferdinand Baas an der spitze. Bis zum Kriegsende war dann Kamerad Wilhelm Wehring eingesetzt. Nach dem Zusammenbruch 1945 wurde dem Kameraden Erwin Ludwig die Leitung der Wehr übertragen. 1949 löste ihn der Kamerad Paul Wegner ab, der bis zu seiner Wahl zum Wirkungsbereichsleiter 1956 in dieser Funktion tätig war. Danach übernahm der Kamerad Alfred Schuran die Funktion, von der er 1966 aus persönlichen Gründen zurücktrat. Von 1966 bis zum Jahre 1990 war Kamerad Dieter Klemmer als Wehrleiter tätig, unterbrochen von einer einjährigen kommissarischen Leitung durch den Kameraden Dieter Pächnatz 1969/1970. Nach der Wende wurde der Kamerad Werner Schmecht 1990 zum Wehrführer gewählt und hatte diese Funktion bis 1999 inne. Seit 1999 bis 2011 bekleidete der Kamerad Ralf-Peter Odebrecht dieses Ehrenamt. Am 11.03.2011 ist nun der Kamerad Remo Schmecht zum Wehrführer gewählt worden.

Als ein vorläufiger Höhepunkt sind die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Wehr im Jahr 1999 zu nennen. Unter der Mithilfe vieler Bürger, Vereine und umliegender Wehren sowie des Amtes Krakow am See wurden von den Kameraden drei eindrucksvolle Tage gestaltet. Vom Festempfang, der Ehrung der verstorbenen Kameraden am Ehrenmal auf dem Friedhof, einer Ausstellung über die Entwicklung der Wehr in der Alten Synagoge, einem Konzert mit drei Blasorchestern an der Seepromenade, einer historischen Großübung auf dem Marktplatz und dem großen Festumzug bis zum Konzert des Landespolizeiorchesters auf dem Kirchplatz reichte das Programm.

Auch in der jüngeren Vergangenheit hat die Wehr eine positive Entwicklung genommen. Wichtige Aufgaben sind dazu gekommen, so die zur Bekämpfung von Havarien mit gefährlichen Stoffen und Gütern 1992 sowie zur technischen Hilfeleistung bei Unfällen mit eingeklemmten Personen.

Seit der Übernahme der Aufgaben der Kernkomponente des Gefahrgutzuges des Landkreises Güstrow wurden die Ausrüstungsgegenstände laufend erweitert und den Erfordernissen angepasst. Auch die ständige Aus- und Weiterbildung der Einsatz- und Führungskräfte nahm an Bedeutung zu und musste intensiviert werden. Während dieser Zeit wurde eine sehr enge Kooperation mit dem LZG Rendsburg in Leben gerufen, die heute noch besteht und aus der so manche Freundschaft hervorgegangen ist.

 

2000

Im Jahre 2005 wurde das neue Gerätehaus an der Dobbiner Chaussee 5 in Betrieb genommen, das alle Bedürfnisse der Freiwilligen Feuerwehr abdeckt. Hier sind moderne Fahrzeughallen, sowie Lagermöglichkeiten und Werkstätten entstanden sowie Schulungsräume und Sanitäranlagen, die auch den Erfordernissen nach etwaigen Gefahrguteinsätzen entsprechen. Das alte Gerätehaus an der Dobbiner Chaussee wurde von der Stadt dankenswerter Weise zu unentgeltlichen Nutzung an die Kameradinnen und Kameraden übergeben. In diesem Gebäude ist nun die feuerwehrhistorische Sammlung unserer Feuerwehr eingezogen. Neben anderen vielen Stücken sind hier ein K 30, ein KLF B1000 und ein LO Löschfahrzeug untergebracht.
Die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Krakow am See umfasst neben dem TLF 16/25 (MAN) und der LF 16-TS (Iveco) einen ELW1 (Sprinter) und einen MTW (Vito), den ErkKw (Ducato) und einen GWG 2 (Iveco) sowie zwei Ölschadenanhänger einen SBA 4,5 (mit STAMEX a) sowie ein Festschalen- und ein Schlauchboot und einen Wirtschaftanhänger. Damit sind in der Fahrzeughalle alle 6 Stellplätze ausgelastet.

Einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr stellte die Beteiligung zu den Absicherungsmaßnahmen am Weltwirtschaftgipfel der G 8 da. Hier haben viele Mitglieder im Rahmen der Komponente Gefahrgutzug des Landkreises Güstrow Ihren Beitrag geleistet.

Auch hier waren unsere Rendsburger, Bützower und Langhäger Kameradinnen und Kameraden sehr eng eingebunden. An den Tagen vom 28.08. bis zum 29. 08.2009 wurden die Feierlichkeiten zum 135 jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Krakow am See begangen. Hierzu wurde natürlich eine Festsitzung mit Gästen aus Nah und Fern, aus der Wirtschaft, der Landes- und Kommunalpolitik, mit Freunden der Feuerwehr und sehr vielen eingeladenen Kameradinnen und Kameraden abgehalten. Am nächsten Tag erwartete alle Gäste ein umfangreiches Programm auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr.

Ausstellung historischer und moderner Technik, Mitmachtag für Groß und Klein (Hier wuden auf fünf Stationen Familien oder zusammengestellte Gruppen eingekleidet, ausgebildet und in einer abschließenden Einsatzübung eingebunden) Der richtige Löscher und der richtige Umgang mit dem Löscher wurden demonstriert und konnten selbst trainiert werden. Vorführung der Folgen von Fehlverhalten (z.B. einen Fettbrand mit Wasser löschen); darauf folgend die Erörterung und Vorführung der richtigen Vorgehensweise, Konzert des Blasorchesters unserer Feuerwehr, Auftritt des Karnevalvereins, Auftritt des Krakower Chors, Darbietungen der Krakower Tanzmäuse und vieles andere mehr.

An diesem Tag feierten die Krakower und Ihre Gäste mit den Kameradinnen und Kameraden IHRER Feuerwehr einen zünftigen Geburtstag.